Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.
Eigentlich sollte das ganze Projekt irgendwann gegen die Wand fahren. Tja, und jetzt wird’s plötzlich ernst …
Wie aus einer Idee
der Hero wurde.
Die Entstehung des Canyoning Hero Anzugs – von den ersten Spuren bis zum Einsatz unterhalb eines Gletschers.

Bevor wir über Neopren, Nähte und Prototypen reden, gehört Joey an den Anfang dieser Geschichte. Während ich mit Meeresschildkröten schnorchelte, führte er mit Gästen unsere berühmte Taxaklamm – dreimal am Tag. Ich zwischen Schildkröten, Joey zwischen Felswänden. So unterschiedlich konnte unser Tagesprogramm aussehen.
Deshalb bekommt Joey hier gleich seinen Platz: für die Touren, die Gäste und die dritte Runde durch die Taxaklamm, während anderswo noch eine Schildkröte durchs Bild schwamm. Und jetzt zur Frage, wie aus der Idee tatsächlich ein Anzug wurde.
Kaltes Wasser. Nasser Fels. Ein hoher Schritt aus dem Becken, die Hand sucht den nächsten Griff. In solchen Momenten zählt, ob die Ausrüstung jede Bewegung mitmacht. Genau dort setzt die Geschichte von Canyoning Hero an: bei den Anforderungen echter Touren – und bei Wolfgang Held und Joachim „Joey“ Fleddermann. Beide sind staatlich geprüfte Schluchtenführer. Joey, Inhaber von CIA – Canyoning in Austria, bringt seine internationale Erfahrung und seinen Blick für die Entwicklung mit ein. Wer gemeinsam in eine Schlucht einsteigt, weiß, wie viel Vertrauen, Vorbereitung und verlässliche Ausrüstung bedeuten. Diese gemeinsame Praxis prägt auch den Hero.
Heute hat der Hero ein klares Gesicht: Rot, Gelb und Schwarz. Japanisches Yamamoto-Neopren, ein strukturiertes Thermal-Innenfutter, ein reißverschlussfreier Einstieg und Details für den Alltag im Canyon. Doch zwischen einer Vorstellung und einem tragbaren Anzug liegen viele kleine Entscheidungen. Manche betreffen ganze Materialschichten. Andere die Frage, wie viel Platz wir unterwegs für unser Smartphone brauchen.
Eine geräumige Brusttasche. Eine gesicherte Pfeife. Ein Innenfutter mit Wabenstruktur. In diesen Details steckt die Geschichte des Hero.
01 / Anfang 2025: Eine Idee setzt sich fest
Anfang 2025 begann die Geschichte des Hero. Zunächst als Idee: einen eigenen Canyoning-Anzug entwickeln und die Vorstellungen aus der Praxis in ein eigenes Projekt übersetzen. Was daraus einmal werden würde, war noch offen.
Im Laufe des Jahres bekam die Idee ein Gesicht. Im August 2025 beschäftigten wir uns bereits mit dem Canyoning-Hero-Logo. Die Beschriftung sollte stimmen, die Schrift zum Original passen, der Text sauber im Kreis verlaufen. „Wolfgang Held“ und „Canyoning Hero“ gehörten zu dieser frühen Gestaltung. Auch kräftige Neonfarben waren Thema.

Damit war noch kein Neoprenanzug entwickelt. Aber es gab bereits eine visuelle Identität, die später auf Schulter, Arm, Rücken und Bein ihren Platz finden sollte. Rückblickend ist das ein schöner erster Baustein: Der Name und sein Erscheinungsbild waren schon da, bevor die erste Bauanleitung entstand.

02 / Aus der Idee werden konkrete Fragen
Nach den ersten Überlegungen und der Arbeit am Erscheinungsbild wurde die Suche konkreter. Im März 2026 ging es dann ausführlich um die technische Umsetzung. Wir haben nach Materialherstellern gesucht. Welches Neopren passte zu unserem Konzept? Welches Innenfutter brachte Wärme und Beweglichkeit zusammen? Und welche Materialien brauchten wir für die besonders beanspruchten Stellen? Aus diesen Bausteinen entwickelten wir unseren eigenen Anzug – mit unserer Vorstellung von Passform, Schutz und Funktion im Canyon. Aus einer Produktidee wurden Fragen nach Material, Konstruktion und Herstellung.
Auch das Innere des Anzugs rückte in den Fokus: Welche Struktur soll das Futter haben? Welche Rolle spielen Fleece und Wabenstrukturen? Wie lässt sich der Schriftzug dauerhaft auf Neopren aufbringen? Schritt für Schritt wurde aus diesen Fragen ein genaueres Bild davon, wie sich der Hero anfühlen und was er im Canyon leisten sollte.
Mallorca: Viele Ideen. Und eine, die endlich fertig werden musste.
Im Frühjahr 2026 waren wir gemeinsam auf Mallorca: Joey, Julia, Ayumi und ich. Natürlich ging es auch dort wieder in die Schluchten – unter anderem in die Sa Fosca. Nach den Touren saßen wir abends beim Essen zusammen. Und zwischen den Erlebnissen des Tages kamen auch unsere eigenen Projekte wieder auf den Tisch. Allen voran der Hero.
An Ideen hat es uns nie gefehlt. Eher im Gegenteil. Der Anzug war nur eine davon, und bis heute haben wir noch einiges in der Pipeline, das nach und nach Gestalt annehmen soll. Doch viele Ideen gleichzeitig zu haben, bedeutet noch lange nicht, eine davon fertigzubekommen.
Bei einem dieser Abendessen brachte Joey es auf den Punkt: Ich müsse jetzt endlich eine Sache zu Ende bringen, statt immer noch mehr anzufangen. Und er hatte recht. Begeisterung für die nächste Idee war reichlich da. Was der Hero jetzt brauchte, waren Entscheidungen, Ausdauer und der Wille, auch die schwierigen Schritte durchzuziehen.
Dieser Gedanke blieb hängen. Aus all den Möglichkeiten musste eine Sache werden, die wir wirklich fertig machten. Einfach war der Weg danach nicht. Aber heute können wir sagen: Mit dem Hero haben wir eine unserer Ideen bis zum fertigen Anzug gebracht. Die anderen sind damit nicht verschwunden. Sie warten auf ihre Zeit. Zuerst hatte der Hero seinen Platz verdient.
Ein Flug nach Japan. Und drei Tage, die es in sich hatten.
Irgendwann reicht es nicht mehr, Ideen hin und her zu schicken. Also ging es ins Flugzeug nach Japan. Im Gepäck: die Vorstellung eines Anzugs, der sich im Canyon bewähren sollte. Und jede Menge Details, über die noch zu reden war.

Drei Tage Meeting mit den Entwicklern. Drei Tage diskutieren, erklären und gemeinsam um Lösungen ringen. Es war hart. Was im eigenen Kopf längst klar schien, musste erst einmal für alle dieselbe Bedeutung bekommen. Eine europäische Vorstellung traf auf die Handschrift aus Asien. Genau daraus sollte der Hero entstehen.
Die Herausforderung war, eine gemeinsame Form für diese Idee zu finden. Erwartungen auf den Tisch legen, einander zuhören und die Details so lange durchgehen, bis aus unterschiedlichen Vorstellungen eine Richtung wurde, hinter der alle stehen konnten.
Und dann gab es noch diese lange Nacht. Nach all den Gesprächen kamen ein paar Karaoke-Balladen dazu. Irgendwann war man sich einig. Der Hero hatte eine gemeinsame Richtung – und seine Entstehungsgeschichte ihren ziemlich passenden Soundtrack.
03 / 3. Juni 2026: Aus Gedanken wird eine Bauanleitung
Am 3. Juni 2026 bekam die seit Anfang 2025 gewachsene Idee ihre erste technische Bauanleitung. Jetzt standen die Anforderungen auf Papier: was der Anzug können, wie er aufgebaut sein und wie er aussehen sollte. Aus vielen einzelnen Überlegungen wurde eine gemeinsame Grundlage für die Entwicklung.
Zum technischen Konzept gehörten 5/4 mm Super-Stretch-Yamamoto-Neopren, verklebte und blind vernähte Nähte, eine außen abgedichtete Nahtkonstruktion und ein warmer Innenaufbau. Hinzu kamen verstärkte Belastungspunkte, Dichtstreifen an Arm- und Beinabschlüssen sowie Schutz an beanspruchten Bereichen.
Für die Gestaltung gab es eine klare Richtung: roter Körper, schwarze Arme, gelbe Schulterpartie und ein gelber Bereich an der Rückseite eines Beins. Die ersten Zeichnungen gaben die Richtung vor. Noch war nicht jedes Detail endgültig festgelegt; Form und Funktionen mussten gemeinsam weiterentwickelt werden. So wurde aus einer Arbeitsvorlage Schritt für Schritt ein Produkt.

04 / Mehr Platz für unterwegs
Smartphones werden immer größer – und viele von uns haben sie auch auf Tour dabei. Deshalb musste die Brusttasche größer werden, damit auch größere Smartphones darin Platz finden. Dazu kamen eine zusätzliche Pfeifentasche und eine Sicherungsleine für die Pfeife.
Solche Anforderungen aus dem Tourenalltag machen Entwicklung greifbar. Eine Tasche ist auf einer Zeichnung schnell platziert. Ob ihr Inhalt hineinpasst und wie ein wichtiges Kleinteil gesichert wird, muss ebenfalls bedacht werden. Die Bauanleitung beschrieb deshalb nicht nur eine äußere Form, sondern konkrete Funktionen.
Daraus wurde das heutige Taschenkonzept: eine große Haupttasche auf der Brust und eine kleinere, außen aufgesetzte Pfeifentasche mit eigener Abdeckung. Ein kleines Detail am Anzug – und ein gutes Beispiel dafür, wie Erfahrungen aus dem Canyon die Entwicklung geprägt haben.

05 / Die Entwicklung geht nach innen
Der Hero sollte Bewegungsfreiheit und Wärme zusammenbringen. Deshalb beschäftigten wir uns intensiv mit seiner Innenseite. Ein Honeycomb-Fleece mit Wabenstruktur wurde Teil des Konzepts. Gleichzeitig legten wir fest, an welchen Stellen zusätzliche Polsterung sinnvoll war.
Zusätzliche zwei Millimeter Polsterung waren an gekennzeichneten Zonen vorgesehen. Für die Knie wurden Supratex und eine Silikonbeschichtung genannt. Das Konzept zielte auf Schutz an beanspruchten Stellen, während die Beweglichkeit erhalten bleiben sollte.
Ich gehe selbst auch mit Surf-Neoprenanzügen canyonen. Ihre Flexibilität gefällt mir, doch für Wintertouren sind sie mir zu kalt. Für den Hero wollten wir deshalb beides zusammenbringen: ein flexibles Neopren und ein warmes Innenfutter, das jede Bewegung mitmacht.
06 / 16. Juni 2026: Überarbeiten gehört dazu
Schon am 16. Juni folgte die nächste Überarbeitung. Wir präzisierten das Design, passten die Maße für die Muster an und arbeiteten weiter an der Platzierung von Logo und Schriftzügen. Der Hero nahm immer deutlicher Gestalt an.
Für die ersten Muster planten wir die Größen L und XL. Dafür mussten die Proportionen stimmen: Brust, Taille, Hüfte, Länge und Schrittlänge. Denn ein Anzug kann auf einer Zeichnung gut aussehen – ob er beim Klettern, Schwimmen und Abseilen mitmacht, entscheidet sich an seiner Passform.
Parallel wurde festgelegt, wo die Marke sichtbar sein sollte: auf der linken Schulter, am rechten inneren Arm, auf dem Rücken und an der Rückseite des rechten Beins. Die Farbaufteilung und die Platzierung der Schriftzüge wurden Teil einer zusammenhängenden Gestaltung.

07 / Der Moment, in dem die Zeichnung nass wird
Im Oktober 2026 kam der Moment, auf den alles hingearbeitet hatte: Der Hero war im Canyon unterwegs. Bei einer Tour unterhalb eines Gletschers konnte ich den Anzug selbst erleben. Mein persönliches Fazit nach diesem Einsatz: „Test bestanden.“
Damit bekommt die Geschichte ihren wichtigsten Ortswechsel. Bis dahin erzählen Zeichnungen, Materialvorgaben und Maßtabellen von einer Entwicklung. Jetzt steht der Anzug dort, wo er eingesetzt werden soll: im Canyon. Für uns zählte dabei die Erfahrung auf der Tour: Wie fühlt sich der Anzug im Wasser an, und wie macht er die Bewegungen im Canyon mit?
Aus diesem Erlebnis entstand „Glacier approved“: unser persönliches Fazit aus dem Einsatz unterhalb eines Gletschers, keine formale Zertifizierung. Solche Touren liefern uns die Erfahrungen für die nächsten Schritte – zur Beweglichkeit, zum Wärmegefühl, zur Passform und zu den Details im Gebrauch.
08 / Aus einem Anzug wird ein Gespräch
Im Oktober öffnete sich das Projekt zunehmend nach außen. Wir arbeiteten an Produktbildern, einer Broschüre, der Website und Beiträgen über die einzelnen Features. Aus Begriffen wie „Zip-free“ und „Honeycomb Thermal Lining“ sollten verständliche Erklärungen werden: Was steckt dahinter? Warum wurde es gewählt? Was soll es im Canyon beitragen?
Gleichzeitig kamen Fragen von Interessenten. Wie strapazierfähig ist der Anzug? Wo ist zusätzlicher Abriebschutz sinnvoll? Wie viel Verstärkung verträgt ein beweglicher Anzug? Unsere Antwort war klar: Schutz ja, aber gezielt und so, dass die Bewegung nicht eingeschränkt wird. Und wir wollten wissen, an welchen Stellen sich andere Canyonisten zusätzlichen Schutz wünschen.
Dieser Austausch gehört zur Geschichte des Hero. Wir wollen zuhören und verstehen, was anderen im Canyon wichtig ist: Ausstattung, Passform, Farbe und natürlich auch der Preis. Neben unseren eigenen Erfahrungen prägen deshalb auch die Fragen und Wünsche der Menschen die nächsten Schritte, für die wir den Anzug entwickeln.

09 / Der Weg geht weiter
Ein Anzug im Wasser ist ein großer Moment. Doch er ist kein Schlusspunkt. Aus einer Idee ein Produkt zu machen, ist die eine Herausforderung. Dafür zu sorgen, dass dieses Produkt verlässlich bei den Menschen ankommt, für die es gedacht ist, ist die nächste. Jetzt beginnt ein neues Kapitel für Hero und Lady Hero.
Hinter den Kulissen geht es deshalb um den Aufbau der Supply Chain: Materialien, Fertigung, Qualitätskontrolle und Transport müssen ineinandergreifen. Lieferzeiten müssen abgestimmt, Abläufe für Nachbestellungen durchdacht und Rückmeldungen aus der Praxis wieder in die Entwicklung zurückgeführt werden. Eine gute Idee braucht eine Lieferkette, die auch dann trägt, wenn aus einzelnen Anfragen echte Nachfrage wird. Dieses Fundament wollen wir Schritt für Schritt aufbauen.
Dazu gehört die Suche nach passenden Distributoren und Vertriebspartnern. Wir wollen Menschen finden, die Canyoning kennen, unsere Begeisterung teilen und erklären können, worauf es bei einem Anzug im Canyon ankommt. Persönlicher Austausch, ehrliche Rückmeldungen und Nähe zur Community sollen dabei genauso wichtig bleiben wie die Frage, in welchen Ländern und Regionen der Hero seinen Platz finden kann.
Auch die Preisfindung gehört zu diesem Weg. Material, Verarbeitung, Qualitätskontrolle, Logistik und Vertrieb müssen zusammen betrachtet werden. Der Preis soll nachvollziehbar sein und zugleich die Grundlage dafür schaffen, dass wir das Produkt weiterentwickeln können. Hinter einer Zahl stehen viele Entscheidungen – und der Anspruch, ein stimmiges Verhältnis zwischen Ausstattung, Qualität und Wirtschaftlichkeit zu finden.
10 / Raus aus der Entwicklung. Rein ins Gespräch.
Die Alpinmesse in Innsbruck wird der nächste besondere Schritt: Dort wollen wir den Hero erstmals auf einer Messe präsentieren. Am 21. und 22. November 2026, am Stand B1.62A, bekommt die Entwicklung ein Gegenüber. Menschen können den Anzug aus der Nähe ansehen, Fragen stellen und uns sagen, welche Details ihnen auf ihren eigenen Touren wichtig sind.
Nach Zeichnungen, Materialgesprächen und Einsätzen im Wasser geht es nun darum, zuzuhören. Welche Erwartungen bringen Guides mit? Was wünschen sich Menschen, die am Wochenende mit Freunden in die Schlucht gehen? Solche Gespräche können den nächsten Entwicklungsschritt anstoßen – manchmal mit einer großen Idee, manchmal mit einem praktischen Detail.
Und vielleicht haben wir in Innsbruck neben dem Hero auch schon die eine oder andere weitere Idee mit dabei. Denn in unserer Pipeline wartet noch einiges darauf, Gestalt anzunehmen. Was davon bis zur Alpinmesse mitreisen kann? Vielleicht gibt es an unserem Stand also noch ein bisschen mehr zu entdecken.
Der Hero ist aus echten Touren entstanden. Und genau dort geht seine Geschichte weiter.
Der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Wolfgang, Joey und das Team nehmen die Erfahrungen aus dem Canyon mit in alles, was jetzt kommt: weitere Entwicklung, verlässliche Abläufe und neue Begegnungen. Hero und Lady Hero sind ein sichtbarer Teil davon. Was dahinter wächst, sind Beziehungen, Verantwortung und die Bereitschaft, weiterzulernen.
Wir wissen noch nicht, welche Schlucht als Nächstes eine neue Idee liefern wird. Aber wir wissen, warum wir weitermachen: weil gute Ausrüstung draußen beginnt und mit den Menschen wächst, die sie benutzen.
Es geht weiter…
